Header

Suche

Planetary Health in 3D: Perspektiven aus Uganda

An der zweiten Ausgabe der Trialogue Days, die dieses Jahr unter dem Motto «The house we live in» stattfand, trafen sich Delegierte aus Bangalore, Kampala und Zürich, um planetare Gesundheit aus grundlegend unterschiedlichen Blickwinkeln zu beleuchten. Unter ihnen war Dr. Charles Ayume, Staatsminister für Gesundheit von Uganda, der eine Perspektive mitbrachte, die von einem Land geprägt ist, das sich – in seinen eigenen Worten – noch «auf der Startbahn befindet», während andere bereits auf Reiseflughöhe unterwegs sind. Im Interview blickt Dr. Ayume darauf, was planetare Gesundheit für eine Nation am Äquator bedeutet – Heimat von Ebola, Malaria und einigen der weltweit ersten isolierten Viruserreger –, und erklärt, weshalb Schlaf, Küchen und Pendelgewohnheiten für die Diskussion ebenso zentral sind wie CO2-Emissionen und Impfpolitik. Ausserdem wirft er einen Blick voraus auf die Trialogue Days 2028 in Kampala, wo er ein «3D»-Gesundheitsmodell verankern möchte, das menschliche, tierische und pflanzliche Gesundheit vereint.

Autor: Martin Boyer

Interview mit Dr. Charles Ayume, Staatsminister für Gesundheit, Uganda

Wie würden Sie planetare Gesundheit definieren, und was bedeutet sie für Sie?

Dr. Charles Ayume: Planetare Gesundheit ist das Ökosystem der Stabilität der Erde. Sie ist der Klebstoff, der uns zusammenhält – und leider zerstören wir genau diesen Klebstoff.

Als Menschen sind wir dafür geschaffen, im Einklang mit der Erde zu leben. Die Erde ist seit jeher, seit unzähligen Generationen, dieselbe geblieben, und nur wir haben uns um sie herum weiterentwickelt – Tiere, aber vor allem der Mensch. Sie war eine Konstante. Doch auf dem Weg der Evolution, Modernisierung und Urbanisierung scheinen wir Mutter Erde zu zerstören. Wir scheinen die Natur zu zerstören.

Welches sind die konkreten Herausforderungen der planetaren Gesundheit für eine afrikanische Nation, insbesondere für Uganda?

Dr. Ayume: Wir sind hier für die Trialogue Days, dies ist bereits die zweite Ausgabe. Ich schätze es sehr, dass Partner aus drei verschiedenen Kontinenten und drei verschiedenen Ländern zusammengekommen sind, um miteinander zu sprechen.

Um die Analogie eines startenden Flugzeugs zu verwenden: Ein Land rollt noch auf der Startbahn, wo die Crew sagt: «Bitte legen Sie Ihre Sicherheitsgurte an, wir heben gleich ab.» Ein anderes Land hat soeben 15'000 Fuss erreicht, und ein drittes befindet sich bereits auf Reiseflughöhe von 35'000 Fuss. Uganda steht noch auf der Startbahn. Indien hat 15'000 Fuss erreicht – als Teil der BRICS-Staaten hat es bemerkenswerte technologische Fortschritte gemacht. Und dann gibt es die Schweiz, die seit sehr langer Zeit relativ stabil ist. Es ist äusserst wertvoll, wenn drei unterschiedliche Denkweisen aus drei unterschiedlichen Ökosystemen zusammenkommen, um Ideen auszutauschen.

Im Fall von Uganda haben wir während dieser Ausgabe 2026 die Herausforderungen in Europa und Nordamerika untersucht. Auch wenn wir sie nicht alle direkt erleben, spüren wir die Auswirkungen. Nehmen wir CO2-Emissionen und die globale Erwärmung: Der CO2-Fussabdruck ist im globalen Norden deutlich höher, doch die Länder mit dem geringsten Fussabdruck tragen die Hauptlast der Folgen. Wir haben uns auch mit künstlicher Intelligenz befasst, die brillant vorgestellt wurde, und gefragt: Wie wird sich das auf uns auswirken?

Innerhalb unserer eigenen Grenzen stehen wir vor Herausforderungen im Zusammenhang mit Gesetzgebung und fragmentierten Märkten. Wir neigen dazu, innerhalb kleiner nationaler Grenzen zu planen statt auf regionaler Ebene. Wenn wir essenzielle Medikamente und Antibiotika herstellen wollen, wie erreichen wir wirtschaftliche Tragfähigkeit? Um ausländische Direktinvestitionen anzuziehen, brauchen wir Regionalisierung und grössere, vereinheitlichte Märkte. Covid-19 hat das auf dem gesamten afrikanischen Kontinent überaus deutlich gemacht: Wir müssen zusammenarbeiten.

Kürzlich ist Uganda aus einem Ebola-Ausbruch hervorgegangen und wurde von der WHO für Ebola-frei erklärt. Aber wir haben uns nicht zurückgelehnt und Champagner geöffnet. In der benachbarten DR Kongo gab es über 5000 Infektionen und mehr als 3000 Todesfälle. Im Geiste des Panafrikanismus und guter Nachbarschaft reisten ugandische medizinische Teams auf Einladung der kongolesischen Regierung in die DR Kongo, um die dortigen Ebola-Behandlungszentren zu unterstützen. Das ist die Gemeinschaftsdenkweise, die wir annehmen müssen – nicht nur für die globale Gesundheitssicherheit, sondern für die planetare Gesundheit insgesamt.

Welche Eindrücke haben Sie von den Trialogue Days 2026?

Dr. Ayume: Interessant ist: Als ich zum ersten Mal das Motto der Trialogue Days 2026 sah – «The house we live in» –, fragte ich mich: «Okay, worum geht es hier?» Ich versuchte, die Diskussionen vorauszusehen und zu antizipieren. Meistens, wenn man zu einer Gesundheitskonferenz eingeladen wird, liegt der Fokus strikt auf Tuberkulose, Ebola, Gensequenzierung, Malaria oder HIV.

Aber mir hat wirklich gefallen, wie dieses Thema eingeführt wurde und wie die Gruppen verschiedenen thematischen Bereichen zugeteilt wurden. Es hat wirklich zum Vorschein gebracht, was Gesundheit im praktischen Sinne bedeutet. Wenn man zum Beispiel ans Schlafzimmer denkt, denkt man normalerweise nur: «Ach, ich gehe ins Schlafzimmer, um zu schlafen.» Wir haben jedoch festgestellt, dass Schlaf ein integraler Bestandteil der mentalen Gesundheit ist. Wenn man seinen Schlaf nicht im Griff hat, hat man auch sein inneres Wohlbefinden nicht im Griff. In der Nacht führt der Körper sozusagen seine physiologische Prüfung durch. Wie eine Referentin hervorhob, steckt hinter dem, was zwischen 21 und 7 Uhr in unserem Körper geschieht, eine bedeutende Wissenschaft. Wer nicht genug schläft, rutscht höchstwahrscheinlich in eine Depression ab, entwickelt Gedächtnisstörungen und weitere Probleme. Die Wissenschaft rund um Schlafmangel ist enorm.

Das wirft auch Fragen dazu auf, wie wir unsere Gebäude gestalten – im Umgang mit künstlichem Licht in der Nacht und mit Lärmbelastung. Als Parlamentsmitglied und Gesundheitsminister hörte ich mir das alles an und dachte: «Wenn ich nach Hause zurückkehre, wie gehe ich das an?» Es gibt bedeutende Möglichkeiten für Politikreformen. Leider sehen wir in Afrika oft Szenarien, in denen das Schlafzimmer gleichzeitig als Wohnzimmer dient oder sogar als Ort, an dem Tiere gehalten werden, und man schläft im selben Raum.

Wir sind dann auch ins Wohnzimmer gegangen, um zu untersuchen, wofür es genutzt wird und welche Gespräche dort stattfinden. Dann die Küche: Wenn man die Küche «auspackt», schaut man sich an, was für Nahrung wir zu uns nehmen – ist sie gesund oder ungesund? Es geht aber auch um die Abfälle, die in der Küche entstehen, und wie wir mit ihnen umgehen. Wir haben den Garten, das Büro und das Badezimmer besprochen und dabei auch die Abfälle thematisiert, die in diesen Räumen entstehen. Nach und nach hat dieses Motto «the house we live in» unser alltägliches Ökosystem als menschliche Wesen aufgeschlüsselt.

Wenn man der Reihe nach vom Schlafzimmer ins Badezimmer, ins Wohnzimmer, in die Küche und ins Büro geht, erkennt man: Wenn wir die Herausforderungen in all diesen Bereichen angehen, können wir auch die übergeordneten Fragen der planetaren Gesundheit lösen. Es regt dazu an, darüber nachzudenken, wie man zur Arbeit oder zu Konferenzen reist: Fährt man Velo? Fährt man Auto? Wie hängt das mit CO2-Emissionen und Ähnlichem zusammen? Ich finde, es war eine bemerkenswert clevere Art, die alltäglichen Fragen der planetaren Gesundheit aufzuschlüsseln, und ich ziehe meinen Hut vor allen, die das sorgfältig konzipiert haben. Ich hatte es nicht kommen sehen, aber ich kehre durchaus zufrieden mit den thematischen Bereichen und den besprochenen Themen nach Uganda zurück.

Wie stehen diese Überlegungen zum häuslichen Umfeld im Einklang mit den Politikreformen, die Sie als Nächstes vorantreiben möchten?

Wie wichtig ist es, Herausforderungen der planetaren Gesundheit mit Partnern aus unterschiedlichen beruflichen, kulturellen und historischen Hintergründen zu diskutieren, die dieselben Probleme aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten?

Dr. Ayume: Es ist von entscheidender Bedeutung. Wenn man verschiedenen Perspektiven zuhört, erkennt man sowohl unsere Gegensätze als auch unsere Gemeinsamkeiten.

In Uganda gilt es oft als Statussymbol, mit einem eigenen Fahrzeug zu einem Büro oder Meeting zu erscheinen. Hier in der Schweiz sind wir zu Fuss zum Veranstaltungsort gegangen, umgeben von einer lebendigen Velokultur. In vielerlei Hinsicht kehrt Europa zu Praktiken zurück, die Uganda vor Jahrzehnten bereits hatte: In den 1960er-Jahren gab es auf ugandischen Strassen nur sehr wenige Autos, und die Menschen fuhren überwiegend Velo, während sich der Westen rasant motorisierte. Nun kehrt sich diese Dynamik um.

Wir haben uns auch mit aufkommenden Realitäten wie der künstlichen Intelligenz befasst. Prognosen zufolge wird innerhalb weniger Jahre ein grosser Teil der wissenschaftlichen Literatur KI-unterstützt oder KI-generiert sein. Was bedeutet das für Gesundheitsfachpersonen und Entscheidungsträger? Wir brauchen Kliniker, die zunächst ihre klinischen Kompetenzen und ihr Urteilsvermögen gründlich aufbauen und KI nutzen, um ihre Praxis zu verfeinern, statt sie zu ersetzen.

Auf kultureller Ebene teilen wir dieselben grundlegenden Bestrebungen, auch wenn sich unsere Praktiken unterscheiden. Wie gehen wir mit Traditionen um – etwa dem Verzehr bestimmter Fleischsorten mit zoonotischem Potenzial –, ohne die Sicherheit der Gemeinschaften zu gefährden? Wie begegnen wir der Impfskepsis? Impfungen sind nach wie vor die wirksamste Massnahme der öffentlichen Gesundheit in der Geschichte, und dennoch erleben wir derzeit einen an Fahrt gewinnenden Impfgegner-Feldzug in Teilen des globalen Nordens, was zutiefst kontraproduktiv ist. Der Dialog erlaubt es uns, diese kulturellen Dynamiken gemeinsam anzugehen.

Schliesslich müssen globale Partnerschaften Fragen der Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit adressieren. Massnahmen in Afrika dürfen keine Fünfjahresprogramme sein, die Gemeinschaften anschliessend im Stich lassen und Menschen zurück in Armut und Umweltzerstörung drängen. Zudem müssen sich westliche Märkte fair für afrikanische Güter öffnen, statt protektionistische Hürden zu errichten.

Nehmen wir die Energiewende: Die grössten historischen Emissionen stammen aus den Industrieländern. Wenn afrikanische Nationen Finanzierungen von internationalen Finanzinstitutionen wie der Weltbank suchen, brauchen wir für die Infrastruktur sauberer Energie – etwa Wasserkraftwerke – konzessionäre Finanzierungen statt kommerzielle Schulden. Wenn hochverzinste Kredite über hohe Strompreise an die Bevölkerung weitergegeben werden, können sich einfache Bürgerinnen und Bürger den Strom, der direkt über ihre Dächer führt, nicht leisten – also fällen sie weiterhin Bäume für Holzkohle. Wenn konzessionäre Kredite oder Kapitalzuschüsse saubere Energie wirklich erschwinglich machen, geben die Haushalte die Holzkohle sofort auf. Das ist die Art von praktischem Kompromiss, den internationale Zusammenarbeit liefern muss.

Mit Blick auf die kommenden Trialogue Days 2028 in Kampala, Uganda: In welchen Schlüsselbereichen sehen Sie das grösste Potenzial für gemeinsame Trialogue-Projekte zwischen Bangalore, Kampala und Zürich?

Dr. Ayume: Forschung ist unsere grösste Chance.

Uganda liegt direkt am Äquator und bietet damit ein reiches ökologisches Umfeld, in dem menschliches und pflanzliches Leben gedeiht – aber auch Krankheitserreger. Historisch wurden zahlreiche virale und infektiöse Erreger erstmals in Uganda und unserer unmittelbaren Region isoliert: das Zika-Virus, das West-Nil-Virus, das Buruli-Ulkus und das O'nyong'nyong-Virus. Ebola ist nach wie vor vor unserer Haustür präsent, und Malaria ist endemisch.

Das bietet eine ausgezeichnete Grundlage für gemeinsame akademische und klinische Forschung mit Institutionen in Zürich und Bangalore. Über die Humanmedizin hinaus stehen auch unsere Tierwelt und Nationalparks im Zentrum dieser Gleichung. Man kann planetare Gesundheit nicht angehen, ohne die tierische und ökologische Gesundheit mitzudenken.

Wenn Kampala 2028 die Trialogue Days ausrichtet, möchten wir Gesundheit in «3D» angehen: menschliche Gesundheit, tierische Gesundheit und pflanzliche Gesundheit.

Die Delegierten werden sich nicht nur an konzeptionellen Debatten beteiligen; wir werden sie ins Feld mitnehmen, um sowohl die unmittelbaren Auswirkungen des Umweltdrucks als auch die Wiederherstellungsinitiativen, mit denen Uganda Klima- und Umweltrisiken entgegenwirkt, aus erster Hand zu erleben.


Martin Boyer sprach am 3. September 2026 mit Dr. Charles Ayume.

Für weitere Informationen: Trialogue Days

Unterseiten